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Vor dem Start in Dresden

Für die Darstellung auf dem Handy sind die Fotos etwas zu breit - auf dem Desktop sieht man alles!

Kurz nach der Wende waren wir mit den Windschattenkumpeln mal nördlich von Berlin am Neuruppiner See, das war ein einmaliges Erlebnis, weil die „DDR-Welt“ noch sichtbar und zu spüren war. Danach hat es mich außer nach Berlin nicht mehr in den Osten gezogen. Aber dann habe ich es als Manko empfunden, schon fast überall in Deutschland mal gewesen zu sein, aber nicht in den östlichen Randgebieten. So entstand die Idee einer Radtour etwa parallel zur Oder-Neiße-Grenze (noch aus dem Erdkunde-Atlas bekannt) zu machen. Wegen der zunächst angedachten Bundesbahn-Start- und Endpunkte sollte es in Dresden losgehen und in Rostock enden. Es folgte die Überlegung, in wie vielen Etappen das zu machen wäre und welche Punkte anzufahren wären.

Ehrlich gesagt hatte ich mit mehr Teilnehmern gerechnet, weil es für die meisten auch zutrifft, dass viel über den Osten geredet wird, aber noch keiner dort war. Jedenfalls schrumpfte die Gruppe der Teilnehmer auf 9 zusammen, was es ermöglichte einen 9-Sitzer-Sprinter zu mieten, mit dem dann auch die Fahrten nach Dresden und zurück von Rostock zu machen waren. Nebenbei: Ein großes Auto zu mieten in nur unwesentlich teurer als ein kleines. Und wir hatten die Möglichkeit bei ganz miesem Wetter einen Teil der Strecke im Auto zu bewältigen. Das alles klappte sehr gut.

Nach der problemlosen Fahrt nach Dresden hatten wir noch genügend Zeit für eine kleine Stadtbesichtigung, wobei wir mit Robin Sch., der dort lebt und arbeitet, einen kompetenten Führer hatten. Dank seiner guten Ortskenntnisse verbrachten wir den Abend im interessanten Szene-Viertel der Nordstadt.

Frauenkirche

Kunst am Bau in der Nordstadt

1. Etappe: Dresden - Görlitz

Bei angenehmen Temperaturen und Sonne ging es am nächsten Morgen auf den Elbe-Radweg, der an diesem Montag nur mäßig frequentiert und gut zu fahren war. Wir genossen die Elb-Sandstein-Idylle bis Bad Schandau. Von dort ging es in den „Nationalpark Sächsische Schweiz“ und in das Kirnitztal, eine landschaftlich einmalige Talstraße mit alter Straßenbahn und steilen Felswänden. Richtung Sebnitz mussten wir dann etwas klettern. Dann verließen wir die BRD für kurze Zeit und durchquerten den nördlichen Zipfel von Tschechien. Was den Zustand der Bausubstanz betrifft war das schon ein Unterschied zur Elbsandstein-Region. Über hügeliges Hochebenen-Gelände ging es dann über Herrnhut (bekannt durch die Herrnhuter Brüdergemeinde, gegründet von Graf Zinzendorf) nach Görlitz.

Elbe-Idyll

Elbsandstein-Felsen

Görlitz ist nicht umsonst als Kulisse für historische Filme bekannt, es gibt eine unheimlich große Menge von historischen Gebäuden mit alten Fassaden. Gebucht hatten wir das Hotel „Am Schwibbogen“, das mit seinem historischen Ambiente beeindruckte. Das Hotel ist mit einem überbauten Bogen mit einem ehemaligen Kloster verbunden. Im Frühstücksraum befinden sich mittelalterliche Fresken religiösen Inhalts. Am Abend konnten wir bei angenehmen Temperaturen draußen essen und konnten uns nicht vorstellen, dass es am nächsten Tag regnen würde.

Görlitz von der Brücke nach Polen aus

 Hotel Schwibbogen in Görlitz

 

2. Etappe: Görlitz - Seelow

Die Regenfahrer vor dem Schwibbogen

 

Aber so war es, schöner Landregen bei gemäßigten Temperaturen. Fahren oder Auto fahren? Der eine wollte sein Rad sauber halten, der andere seine Lederschuhe nicht nass machen und die anderen fürchteten die Strapazen einer 200-km-Regenfahrt (die längste Etappe). So kam es, dass sich nur vier aufs Rad setzten und die anderen die Landschaft aus dem Auto heraus genossen. Ein großer Teil der Strecke führte entlang der ruhig dahinfließenden Neiße, wo der Radweg zum Teil schmal und nicht optimal ausgebaut war. Das änderte sich beim Zusammenfluss von Oder und Neiße. Merkwürdig, dass die Stelle des Zusammenfließens weder von der Straße aus noch vom Radweg aus besonders angekündigt wurde. Gegen Mittag hörte es weitgehend auf zu regnen und einer entschloss sich das Auto zu verlassen und ein anderer stieg dafür ein. Die Etappe wurde lang und länger und selbst Gerbi, der fast immer vorne im Wind vor, ließ es sich gefallen, dass ein anderer die letzten 15 km vor ihm herfuhr.

Der Windschatten-Mann mit Spiegel an der Brille immer alles im Blick

Eine Gedenkminute für unsere Befreier

Seelow ist ein eher unbedeutender Ort, der gewählt wurde, weil er in den Etappenplan passte und wir die Industriestädte Frankfurt und Eisenhüttenstadt meiden wollten.

 

3. Etappe: Seelow – Swinemünde

Der dritte Tag begann kühl und trocken und blieb auch so. Armlinge und Beinlinge waren angesagt. Die Strecke verlief zu einem großen Teil entlang der Oder im sogenannten „Nationalpark Unteres Odertal“. Das war meinem Empfinden nach der schönste Streckenabschnitt: gut ausgebaute Radwege, kaum Rad-Verkehr, keine Bebauung, weite naturbelassene Landschaft, Störche und Biber, kaum Schiffsverkehr, keine technischen Geräusche außer von den Rädern – das findet man sonst kaum!

Nationalpark Unteres Odertal

Heike bestaunt die Weite der Landschaft

Thomas und Gerbi

Geplant war eigentlich bis Ueckermünde zu fahren und von dort aus mit einer Radfähre über das Stettiner Haff. Da aber die letzte Fähre schon um 15.10 fuhr, schafften wir das nicht und stiegen nach einer verdienten Pause mit Rad und Pack ins Auto und umfuhren so das Stettiner Haff, um einen Abstecher nach Polen, Swinemünde zu machen. Was uns dort erwartete, war vorher ziemlich unklar. Qualität von Hotel und Restaurants? Diebstahl-Gefahr?

Ostsee-Blick in Swinemünde

Der Frühsportler

Philipp hat eine Kette "gefangen" - Carsten wollte einen Ortsschild-Sprint gewinnen

Wir wurden in allen Punkten positiv überrascht. Das Hotel war zwar zum Teil von Senioren-Bus-Touristen belegt, aber es war alles ok. Das Essen sollte in einer alten Festungsanlage aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stattfinden, ein bunkerähnliches Ziegelgewölbe mit einmaligem Ambiente, doch leider schloss das Restaurant zu früh, so dass wir umswitschen mussten und in der Innenstadt unterkamen. Essen und Trinken dort sehr gut und preisgünstig!

Der Charakter der Hotel-Landschaft ähnelt ein bisschen Rimini, eng bebaute Hotelreihen, noch viele Baustellen, aber der Strand machte einen guten Eindruck und lud Jörg zu einem ausgiebigen Frühsport-Strandlauf ein. Jedenfalls hat Swinemünde einiges zu bieten und es gibt interessante historische Hinterlassenschaften zu besichtigen!

 

4. Etappe: Swinemünde – Rostock

Von Swinemünde aus ging es am nächsten Tag bei etwas wärmeren Temperaturen über die usedomsche Halbinsel durch die bekannten Seebäder mit den klassizistischen, neu herausgeputzten Hotels und Villen. Richtung Wollgast und Greifswald mussten wir parallel zu Hauptstraße über Radwege fahren bei kilometerlangem Himmelfahrts-Anreiseverkehr. Die Sitte auf Himmelfahrt betrunken mit einem Bierwagen herumzulaufen scheint übrigens dort keine Tradition zu haben, dagegen sah man viele Radfahrgruppen mit Blumenschmuck am Lenker! Nach einem Zwischenstopp bei der Wieker Zugbrücke ging es über weitgehend ruhige Landstraßen Richtung Rostock, wo wir in einem IBIS-Hotel außerhalb von Rostock unterkamen.

viele schöne Alleestraßen

Tja - nicht immer Internet, was die Kommunikation mit dem Besenwagen schon mal erschwerte

Die letzte Etappe war zwar die kürzeste, aber trotzdem anstrengend, weil wir fast permanent Seitenwind hatten. Zuletzt verstießen wir sogar gegen das Reglement und fuhren die letzten Kilometer im Windschatten des Begleitfahrzeugs.

Das Auto brachte uns dann zum Abschlussessen in den Rostocker Stadthafen zum Alten Fritz, wo eine „DDR-Cover-Band“ bei Störtebecker Bier uns in die richtige Stimmung versetzte.

Michael hatte den "Alten Fritz" gebucht

The Captain

Resume:

Alles verlief gruppendynamisch reibungslos – 8 FahrerInnen plus ein Besenwagenfahrer sind eine ideale Gruppengröße. Im Zentrum unserer „Oder-Neiße-Fahrt“ stand das Kennenlernen unbekannter Gegenden und so manches Vorurteil musste revidiert werden.

Wir sind weitgehend durch „blühende Landschaften“ gefahren (um einen Begriff von Helmut Kohl zu gebrauchen). In den großstadtnahen Gegenden sieht es sehr gut aus, Straßen besser als bei uns, viel neu renoviert, so dass man denkt, worüber beschweren sich die Leute im Osten eigentlich? Allerdings muss man auch bedenken, dass es abgehängte, strukturschwache Gebiete gibt, die wir gemieden und nicht gesehen haben, weil wir auf touristisch erschlossene Gebiete fixiert waren.

Absolut empfehlenswert ist der Oder-Radweg, der relativ neu und durchgehend breit und asphaltiert ist und von den Naturreizen her sehr viel zu bieten hat.

Der Planer und Berichtschreiber